Auch bei einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung lohnt sich ein Widerruf nicht immer. Als Faustregel gilt: Je älter der Vertrag, desto unwirtschaftlicher der Widerruf.

Am meisten lohnt sich der Widerruf bei Versicherungsverträgen, die im Zeitraum zwischen 2005-2007 abgeschlossen wurden. Das hat mehrere Gründe. Zum einen genießen diese Verträge nicht mehr das Steuerprivileg, werden also bei einer Auszahlung besteuert, zum anderen wird gerade bei diesen Verträgen der Vertragswert geringer sein als die Summe der entrichteten Prämien. Das liegt in dem Umstand begründet, dass die Vermittlungsprovisionen in der Anfangsphase abgezogen werden und die geleisteten Prämien diesen Abzug noch nicht ausgeglichen haben. Ältere Verträge aus den 90er Jahren hingegen sind nicht nur steuerfrei bei Auszahlung, sondern haben sich häufig trotz der Belastung mit den Vermittlungskosten über die Zeit ordentlich entwickelt.

Vorsicht bei Riester-Verträgen

Auch Riester-Rentenversicherungen können nach einem Widerruf rückabgewickelt werden. Allerdings werden dann die Steuerrückzahlungen und die staatlichen Zulagen abgezogen. Das heißt zwar nicht, dass ein Widerruf bei Riester-Verträgen stets unwirtschaftlich ist, allerdings sollten Sie diese Abzüge bei der Gegenüberstellung des aktuellen Vertragswertes und der Summe der entrichteten Beiträge im Auge behalten.

Den Zusatzschutz berücksichtigen – Widerruf bei Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen lohnt sich meistens nicht

Ein Widerruf lohnt insbesondere bei Lebensversicherungen deren primäres Ziel die Kapitalbildung war. Ist die Anlage allerdings auf einen Risikoschutz, insbesondere mit einem Unfall- oder Berufsunfähigkeitsschutz gerichtet, würde ein Widerruf auch den Wegfall Ihrer Rentenansprüche bei Risikoeintritt bedeuten. War das Ziel der Versicherung also primär nicht die Kapitalbildung, sollte ein Widerruf unterbleiben.