Es gibt im Wesentlichen fünf grobe Fehler, die zur Unwirksamkeit der Widerrufsbelehrung führen. Liegt einer dieser Fehler vor, kann der Widerruf noch heute erklärt werden.

1. Widerrufsbelehrung nicht deutlich hervorgehoben

Die Widerrufsbelehrung ist häufig nicht hinreichend deutlich von dem übrigen Vertragstext abgehoben. Sie sind nur dann über Ihre Verbraucherrechte in gesetzlicher Weise informiert, wenn Ihnen diese Rechte klar aufgezeigt werden. Erforderlich ist daher eine deutliche Hervorhebung der Widerrufsinformationen. Das heißt: bei der Durchsicht Ihres Versicherungsvertrages muss Ihnen die Widerrufsbelehrung geradezu „ins Auge springen.“ Eine Widerrufsbelehrung ist etwa dann hinreichend deutlich hervorgehoben, wenn sie mit einer anderen Drucktype als der übrige Vertrag gesetzt, fett und mit einer schwarzen Umrandung versehen ist. An einer deutlichen Hervorhebung fehlt es z.B., wenn die Belehrung unter einer laufenden Nummer in den Vertrag eingefügt ist und sich durch die Gestaltung der Schrift nicht von den sie umgebenden Regelungen unterscheidet.

2. Falsche Angabe zum Widerruf der Lebensversicherung

Die Widerrufsbelehrung weist Sie nicht darauf hin, dass der Widerruf der Lebensversicherung fristgerecht erfolgt, wenn Sie ihn innerhalb einer 30-Tage-Frist (bei Verträgen die vor dem 8.12.2004 abgeschlossen wurden – 14-Tage-Frist) absenden. Es ist nämlich nicht erforderlich, dass der Widerruf der Lebensversicherung auch innerhalb dieser Frist eingeht – eine rechtzeitige Absendung reicht. Genau auf diesen Umstand haben die Versicherer häufig nicht hingewiesen, mit der Folge, dass die Widerrufsbelehrung fehlerhaft war und der Widerruf der Lebensversicherung noch heute erklärt werden kann.

3. Angabe der falschen Form für den Widerruf

Für Versicherungsverträge die im Jahr 2002 oder später abgeschlossen wurden, verlangt das Gesetz, dass die Widerrufsbelehrung ausdrücklich auf die Textform und nicht auf die deutlich strengere Schriftform hingewiesen wird. Der Unterschied liegt in der Kommunikationsform. Ein, der Textform genügender Widerruf kann per E-Mail erklärt werden, für die Einhaltung der Schriftform reicht jedoch eine E-Mail nicht aus. Knüpfte also Ihre Versicherung einen wirksamen Widerruf an die Einhaltung der Schriftform, wurden Ihre Widerrufsmöglichkeiten in unzulässiger Weise beschnitten. Die Folge – ein Widerruf der Lebensversicherung ist auch heute noch möglich.

4. Fehlende Angaben zu den erforderlichen Unterlagen

Die Widerrufsbelehrung ist ferner nicht ordnungsgemäß, wenn die Unterlagen, deren Erhalt den Fristbeginn auslöst, nicht vollständig benannt sind (BGH, 27.04.2016 – IV ZR 200/14). So wird der Lauf der Widerrufsfrist in einigen Belehrungen allein an den Erhalt eines Versicherungsscheins geknüpft. Tatsächlich muss der Versicherungsnehmer darüber hinaus darauf hingewiesen werden, dass die Frist erst dann zu laufen beginnt, wenn er zusätzlich zu dem Versicherungsschein auch die Versicherungsbedingungen sowie die Verbraucherinformation nach § 10a VAG erhalten hat. Fehlt ein entsprechender Hinweis, ist die Widerrufsbelehrung der Lebensversicherung fehlerhaft.

5. Unterschiedliche Widerrufsbelehrung

An einer korrekten Belehrung fehlt es auch dann, wenn dem Verbraucher in den Versicherungsunterlagen mehrere Widerrufs- oder Rücktrittsbelehrungen zugesandt wurden und diese sich inhaltlich voneinander unterscheiden. Die Erteilung verschieden lautender Belehrungen ist missverständlich und widerspricht dem Deutlichkeits- und Transparenzgebot (BGH, 04.07.2002 – I ZR 55/00; 18.10.2004 – II ZR 352/02).