Was passiert mit einem Lottogewinn in der Privatinsolvenz?

In der Hoffnung auf das große finanzielle Glück spielen einige Mandanten auch während der Insolvenz Lotto. Da das gesamte Vermögen gem. § 35 Abs. 1 InsO zur Insolvenzmasse gehört, stellt sich die Frage, ob ein Lottogewinn, der während einer laufenden Insolvenz erzielt wird, behalten werden darf.

Es kommt auf den Zeitpunkt des Gewinnes an. Die Insolvenz ist im wesentlichen in zwei Verfahrensabschnitte geteilt, das Insolvenzverfahren und die Wohlverhaltensperiode.

Das Insolvenzverfahren stellt den Start des bis zu 6 Jahre dauernden Insolvenz dar und dauert in der Regel ein Jahr. In dieser Phase melden die Gläubiger ihre Forderungen an und es findet die Ermittlung des verwertbaren Vermögens statt. Es kann alles verwertet werden, was nicht unpfändbar ist – auch das Vermögen, das während dieser Phase neu hinzukommt. Daher kann auch  ein Lottogewinn, den der Insolvenzschuldner während dieser Phase erhält, verwertet werden und unterliegt gem. § 35 Abs. 1 InsO der Insolvenzmasse wie das Amtsgericht Göttingen in einem Fall bestätigt hat (Az. 74 IN 235/09).  Dies hat zur Folge, dass der Lottogewinn auf das Anderkonto des Insolvenzverwalters fließt, von welchem die Verfahrenskosten beglichen und die Gläubiger befriedigt werden.

Wenn der Lottogewinn nun deutlich die Restverbindlichkeiten übersteigt, hat das Amtsgericht im gleichen Fall offen gelassen, ob nur ein Teil der Summe, der ausreicht um diese Verbindlichkeiten zu begleichen, einbehalten wird. Da es dem Zweck des Insolvenzverfahrens genügt, wenn nur die nötige Summe einbehalten wird, könnte eine Verfügung über den übrigen Lottogewinn auch schon während des Insolvenzverfahrens möglich sein.

Wichtig ist zudem zu beachten, dass während des Insolvenzverfahrens die Pflicht für den Insolvenzschuldner besteht einen Vermögenszuwachs zu melden. Sofern dies unterlassen wird, kann die Restschuldbefreiung versagt werden, § 290 Abs. 1 Nr. 5 InsO. Daher muss der Lottogewinn in dieser Phase in jedem Fall dem Treuhänder mitgeteilt werden.

Wesentlich anders sieht die Situation in der Wohlverhaltensperiode aus. In der Wohlverhaltensperiode darf neben speziellen Vermögenszuflüssen (z.B. Erbschaft) nur noch der pfändbare Teil des Einkommens verwertet werden. Ein Lottogewinn darf hingegen nicht verwertet werden. Sie dürfen diesen daher, wenn Sie ihn in dieser Phase erzielen, behalten. Sie müssen den Lottogewinn in der Wohlverhaltensperiode auch nicht dem Treuhänder mitteilen, da Sie Ihre Vermögensverhältnisse in dieser Phase nur auf Verlangen des Treuhänders offenlegen müssen, § 295 Abs. 1 Nr. 3 InsO.

Fanden Sie diesen Lexikon-Eintrag hilfreich? Geben Sie eine Bewertung ab!

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (19 Stimmen, durchschnittlich: 4,32 aus 5)
Loading...

Jetzt kostenfreie anwaltliche Erstberatung nutzen:

Wir vertreten Sie anwaltlich bei Ihrer Entschuldung - BUNDESWEIT.

KOSTENFREIE ERSTBERATUNGJetzt kostenfreie anwaltliche Erstberatung nutzen:0221 – 6777 00 55(Mo. – So. von 9 – 22 Uhr / Bundesweit)Oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Kommentare sind geschlossen.