Lebensversicherungen als Steuersparmodell – Risikoreich und komplex

Steuern sparen mit Lebensversicherungen – klingt fremd, war vor einiger Zeit jedoch eine veritables Steuersparmodell. Die Gewinne aus kapitalbildenden Lebensversicherungen und privaten Rentenversicherungen waren nämlich steuerfrei. Mittlerweile gilt aber: Die Hälfte der Gewinne muss als Einkommen versteuert werden, auch wenn die Versicherung 12 Jahre läuft und erst im Rentenalter zur Auszahlung kommt. Für Anleger ist der Vorteil gering.

Die neue Praxis

Finanzbetriebe greifen dennoch gerne auf Versicherungssparverträge zurück. Anstatt der klassischen Variante der Kapitallebens- oder Rentenversicherung, bedienen sich solche Betriebe jedoch sogenannter fondsgebundener Versicherungspolicen. Solche Fondspolicen sind eine Kombination aus Risikolebensversicherung und Investmentsparverträgen. Bei der fondsgebundenen Version der Rentenversicherung, fällt sogar die Absicherung der Hinterbliebenen weg. Die gesamte Sparrate in Aktienfonds zu investieren geht jedoch mit Risiken einher, die Finanzaufsicht hat keine Vorschriften zur Sicherheit der angelegten Gelder, auch Garantieverzinsung sucht man vergebens.

Der Grund, weshalb solche Versicherungen dennoch gerne verkauft werden ist simpel: Der Verkäufer der Versicherung hat eine große Gewinnmöglichkeit. Bis zu 4% kann der Versicherungsvermittler als Provision einkassieren. Wenn diese sofort ausgezahlt wird, hat der Anleger zunächst mit roten Zahlen zu ringen, diese Kosten belasten den Vertrag.
Daher hat der Bundesgerichtshof jüngst in einem Urteil erklärt, dass solche Vertragsklauseln unwirksam seien. Dadurch sind viele ehemaligen Kunden dazu in der Lage, vom Versicherer Nachzahlung zu fordern, wenn sie zwischen 2001 und 2006 eine Renten oder Lebensversicherung abschlossen und diese vor Ablauf kündigten.

Der sogenannte Kick-Back

Der Anleger hat bei Fondpolicen nicht bloß Kosten beim Versicherer, sondern auch auf Ebene der Investmentfonds in Form von Verwaltungskosten. Fondmanagementgesellschaften verlangen bis zu zwei Prozent jährlich. Ungefähr die Hälfte der Verwaltungsgebühren erhält dann wiederum der Versicherer als Bestandsprovision, diese geschickte Konstruktion wird „Kick-Back“ genannt.

Traumhafte (vergangene) Renditen als Lockvogel

Weshalb gehen Anleger dann, angesichts der hohen Kostenbelastung, überhaupt auf solche Verträge ein? Die Versicherungsgesellschaften werben mit „überdurchschnittlichen Renditechancen von 6 bis 12 Prozent“, wie die Europa-Versicherung im Jahre 2012. Diese traumhaften Werte bezogen sich jedoch auf den Zeitraum der letzten 30 Jahre. Aber selbst dieser Wert ist leicht verfälscht, der größte Teil des DAX-Gewinne wurden vor der Jahrtausendwende erzielt – von 1998 bis 2010 ließ sich dagegen beispielsweise bloß eine Durchschnittsrendite von 2,7 Prozent jährlich erwirtschaften.

Prognose und Spekulation – Ein Lotteriespiel

Bevor überhaupt etwas beim Kunden ankommt, müssen also zunächst die Kosten des Versicherers und der Investmentgesellschaft abgezogen werden. Der Fondmanager müsste mindestens 15 Prozent Gewinn mit den Aktien erzielen, damit tatsächlich die traumhaften 12 Prozent ankommen. Leider ist die Realität die, dass viele Anleger blauäugig nach unrealistischen Renditen streben und daher dieses Konstrukt am Leben erhalten.

Prinzipiell empfiehlt es sich, die Finger von fondsgebundenen Lebensversicherungen zu lassen. Die Intransparenz führt dazu, dass die Feststellung der tatsächlichen Kostenbelastung kaum akkurat möglich ist. Hier haben die Versicherungen und Investmentmanager ein Dickicht aus jährlichen und einmaligen Gebühren, prozentualen Beiträgen und festen Sätzen geschaffen, welches den unwissenden Anleger zunehmend verwirrt. Die starke Kostenbelastung der anfänglichen Jahre führt dazu, dass man einen solchen Sparvertrag wirklich bis zum Ende durchhalten muss, um überhaupt vertretbare Renditen zu erzielen. Dies ist natürlich nicht immer voraussehbar, insbesondere in Zeiten unsicherer Lebensumstände. Diese komplexe Kostenstruktur sorgt dafür, dass ein Aussetzen der Sparraten oftmals direkt zu Renditeverlusten führt. Eine Auflösung vor Ablauf der Verträge führt zu noch untragbareren Verlusten. So muss der Gewinn beispielsweise nach dem normalen Einkommenssteuersatz versteuert werden, wenn man ihn sich vor dem 60. Lebensjahr auszahlen lässt – und wir wären wieder genauso weit, wie zu Beginn.

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