Verluste mit Lebensversicherung? Die Beratungspraxis ist alarmierend

Deutschlandweit haben Millionen Menschen in kapitalbildende Lebensversicherungen investiert. Vielen von ihnen sollte die Versicherung zur Altersvorsorge dienen, das Kapital sollte Sicherheit für die Zukunft bieten.

Leider entpuppte sich die Investition für zahlreiche Versicherungsnehmer als eine Enttäuschung. Fonds, in die die Beiträge geflossen sind, haben teilweise hohe Verluste gemacht, der Wert entsprechender Portfolios ist erheblich gesunken. Für viele Betroffene war diese Entwicklung nicht abzusehen. Denn in Verkaufsgesprächen malten die Vermittler die Aussichten noch in buntesten Farben. Die Risiken der Investition wurden hingegen entweder gar nicht offengelegt, oder, was wesentlich häufiger vorkommt, stark verharmlost.

Die Gerichte beschäftigen sich täglich mit Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit falscher Anlageberatung – alleine die Urteilsübersicht der Verbraucherzentrale Hamburg, in der verbraucherfreundliche Entscheidungen zur Falschberatung bei geschlossenen Fonds gelistet sind, umfasst ganze 166 Seiten.

Es wundert nicht, dass der Beruf des Versicherungsvertreters in Verruf steht. Der provisionsfixierte Vertrieb scheut vor unhaltbaren Versprechungen nicht zurück. Vertrauen wird häufig nur aufgebaut, um anschließend missbraucht zu werden.

Schadensersatz wegen Falschberatung

Jeder Beratung im Zusammenhang mit dem Erwerb einer Versicherung liegt ein Beratungsvertrag zugrunde. Verletzt der Versicherungsmakler seine Beratungspflichten schuldet er bzw. die Firma, die er vertritt, dem falsch beratenen Versicherungsnehmer Schadensersatz.

Entscheidend ist dabei, welche Pflichten den Makler überhaupt treffen. Wird eine herkömmliche, nicht kapitalbildende (Lebens-) Versicherung vermittelt, bestehen lediglich Beratungspflichten nach dem Versicherungsvertragsgesetz. Diese Pflichten sind jedoch bei weitem nicht so streng wie die Anforderungen, die an eine ordnungsgemäße Kapitalanlageberatung gestellt werden.

Denn letztere muss sowohl objektgerecht als auch anlegergerecht sein. Der Berater muss dem Anleger alle Informationen liefern, die für die jeweilige Anlageentscheidung wesentliche Bedeutung haben können. Diese Informationen müssen wahrheitsgemäß und sorgfältig, richtig und vollständig sein. Außerdem muss der Anlageberater personenbezogene Kriterien wie Wissensstand, Risikobereitschaft und Anlageziel des Kunden beachten. Diese Kriterien gewissenhaft zu erfüllen ist nicht so einfach. Gerecht wird ihnen nur ein Berater, der seine Provisionsinteressen aufrichtig hinter den Interessen des Anlegers anstellt. In der Beratungspraxis kommt dies jedoch viel zu selten vor.

Will ein Versicherungsnehmer also Schadensersatzansprüche wegen Falschberatung geltend machen, ist es für ihn wesentlich günstiger, wenn sich der Abschluss der Lebensversicherung als ein Anlagegeschäft darstellt.

Kriterien des BGH

Nach der gefestigten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (z.B das „Wealthmaster Noble“ Urteil vom 11. Juli 2012 – IV ZR 164/11) ist die wirtschaftliche Betrachtung des Vertrages maßgeblich. Für ein Anlagegeschäft sprechen folgende Indizien:

  • Gegenüber der Renditeerwartung spielt die Versicherung des Todesfallrisikos eine untergeordnete Rolle
  • Garantierte Todesfallleistung liegt bei etwa 100% des Rücknahmewertes von Einheiten/Anteilen
  • Spekulativer Charakter des Fonds
  • Versicherungsbeitrag wurde (teilweise) durch einen Kredit finanziert
  • Keine garantierte Ablaufleistung

Liegen diese Kriterien zumindest teilweise vor, sollte das Beratungsgespräch genau unter die Lupe genommen werden. Es besteht eine nicht geringe Chance, dass der Versicherungsmakler gegen die Aufklärungspflichten verstoßen hat, insbesondere weil er nicht hinreichend über die Risiken der Investition aufgeklärt hatte.

Wunsch nach Altersvorsorge außer Acht gelassen

Unsere Erfahrung zeigt: den meisten unserer Mandanten ging es bei der Anlage in eine kapitalbildende Lebensversicherung um die Altersvorsorge. In solchen Fällen darf aber nur eine Anlagestrategie verfolgt werden, die den unbedingten Kapitalerhalt als oberstes Ziel formuliert.

Die Risikobereitschaft war in den meisten Fällen nur sehr eingeschränkt vorhanden. Viele der uns vorliegenden Anlageprodukte sind jedoch mit erheblichen Verlustrisiken behaftet und passen schlichtweg nicht zu diesem Anlegerprofil.

Aussichten

Der Abschluss einer fondsgebundenen Lebensversicherung stellt in vielen Fällen ein Anlagegeschäft dar. Dieser Umstand wirkt sich auch auf die Anforderungen an eine korrekte Anlageberatung aus. Wer mit seiner Investition Verluste erlitten hat, sollte seine Ansprüche anwaltlich prüfen lassen. Gerne stehen wir dabei allen Versicherungsnehmern zur Verfügung. Unsere Prüfung und Erstberatung sind kostenfrei.

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