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So gelingt die Restschuldbefreiung nach 3 Jahren

Bekannt aus:

Verkürzte Insolvenz – Die ersten Mandanten haben sie schon abgeschlossen

Im Sommer 2014 wurde die Privatinsolvenz reformiert. Ein großer Vorteil der Reform: Die Dauer des Insolvenzverfahrens wurde verkürzt. Seitdem kann ein Schuldner bereits nach 3 oder 5 Jahren schuldenfrei das Insolvenzverfahren beenden. Nun ist die Frist von drei Jahren für die ersten Mandanten abgelaufen. Einige Personen konnten also schon von der Verkürzung profitieren und sind nach drei Jahren schuldenfrei. Auch unsere Kanzlei erreichen die ersten Mitteilungen, dass die vorzeitige Restschuldbefreiung von Mandanten erreicht ist. Doch die Verkürzung tritt nicht automatisch ein. Erforderlich ist unter anderem ein Antrag beim zuständigen Gericht.

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Ein Brief des Amtsgerichts mit der Bestätigung der Restschuldbefreiung nach 3 Jahren für eine Mandantin:

Verkürzung der Privatinsolvenz seit Juli 2014

Die im Sommer 2014 in Kraft getretene Regelung besagt, dass ein Schuldner sein Insolvenzverfahren von bisher sechs auf drei Jahre verkürzen kann, wenn er 35% der Verbindlichkeiten innerhalb der 36 Monate abzahlen kann. Dazu kommen noch die Verfahrenskosten. Die Mittel für die Rückzahlung können aus verschiedenen Quellen stammen.

  • Aus Ihrem Einkommen – Während der Privatinsolvenz wird ein Teil des Einkommens gepfändet und auf die Rückzahlung angerechnet.
  • Aus vorhandenem Vermögen – Beispielsweise die Verwertung eines Autos oder einer Immobilie kann durch eine einmalige Zahlung einen großen Anteil der 35% ausmachen.

Notwendigen Betrag zur Verkürzung der Privatinsolvenz berechnen

Bild von einem Taschenrechner

Seit 2014 ist es möglich die Privatinsolvenz von 6 auf 3 Jahre zu verkürzen.

Der für die Verkürzung der Privatinsolvenz auf drei Jahre notwendige Betrag errechnet sich wie folgt: Sie multiplizieren die ursprüngliche Schuldensumme mit 0,35. Hinzu addieren Sie die Kosten des Insolvenzverfahrens. Die Kosten des Verfahrens sind jedoch je nach Umfang des Falles unterschiedlich. Mit unserem Insolvenzrechner können Sie den Rückzahlungsbetrag berechnen, der für eine Verkürzung auf drei Jahre notwendig ist.

3-Jahres Insolvenz Rechner

Bitte geben Sie Ihre geschätzte Schuldensumme ein.

Diesen Betrag benötigen Sie zur Verkürzung der Insolvenz auf 3 Jahre.

Bitte beachten Sie, dass es sich dabei um einen Schätzwert handelt.

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Bilanz der Insolvenzrechtsreform

Laut eines Berichts von Spiegel Online haben rund 50.000 Menschen zwischen Juli und Dezember 2014 ein Privatinsolvenzverfahren begonnen. Alle diese Personen befinden sich also, stand Anfang 2018, seit über drei Jahren im Insolvenzverfahren und hatten daher die Möglichkeit, bei Rückzahlung von 35% der Schulden vorzeitig das Verfahren zu beenden. Dies gelang 4111 Menschen, was einer Quote von etwa 8% entspricht.

Verkürzung auf 3 Jahre für viele Schuldner nicht möglich

Der Betrag, der für die Verkürzung des Insolvenzverfahrens notwendig ist, kann jedoch von vielen Schuldnern nicht aufgebracht werden. Grund dafür ist, dass Schulden, die beispielsweise aus dem Kauf einer Immobilie oder einer gescheiterten Selbstständigkeit stammen, oft relativ hoch sind. Betragen die Schulden etwa 100.000 Euro, so liegt der Rückzahlbetrag bei 35.000 Euro plus Verfahrenskosten. Die Person muss also über 1000 Euro monatlich zurückzahlen, was nur den Wenigsten möglich ist. Für diese Personen wäre daher nach unserer Auffassung ein geringerer Prozentsatz notwendig. Bei 10.000 Euro Schulden reicht dagegen bereits eine monatliche Rate von rund 125 Euro im Monat aus, um die vorzeitige Restschuldbefreiung zu erreichen.

Voraussetzungen der Verkürzung auf 5 Jahre

Ein größerer Teil der Schuldner wird jedoch von der Verkürzung des Verfahrens auf 5 Jahre profitieren können. Statt ursprünglich nach 6 Jahren kann der schuldenfreie Neustart schon nach 5 Jahren erfolgen, wenn die Verfahrenskosten durch die Rückzahlung gedeckt werden. Auch für Menschen mit hohen Schulden oder bei denen aufgrund von Unterhaltspflichten nur ein geringer Teil des Einkommens pfändbar ist, ist dieses Ziel erreichbar. Eine monatliche Rückzahlung von 25 € bis 35 € sollte hierfür ausreichend sein. Wie hoch Ihr monatlich pfändbarer Betrag bei einer Privatinsolvenz ist, hängt vom monatlichen Einkommen sowie von der Anzahl Ihrer Unterhaltspflichten ab. Das pfändbare Einkommen kann mithilfe unseres einfachen Pfändungsrechners oder der Pfändungstabelle 2018 ermittelt werden.

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8 Kommentare
  1. Avatar
    says:

    Sehr geehrter Herr Ghendler,

    ich bin seit dem 03.02.17 in der Insolvenz (Selbständigkeit wurde schriftl. freigegeben).
    Nun möchte ich einen Antrag auf vorzeitige Restschuldbefreiung beantragen. Ich werde die 35% der Schuldsumme sowie die Verfahrenskosten in den nächsten Tagen überweisen. Mein Bruder würde mir das Geld geben. Wie sicher ist es dann, dass ich danach dann auch wirklich die Restschuldbefreiung bekomme?

    • Dr. V. Ghendler
      says:

      Sehr geehrter Fragesteller,

      wenn die 35 % zzgl. Kosten erreicht sind, ist die Verkürzung auf drei Jahre sicher – sie muss gewährt werden, sofern keine Gründe für eine Versagung der Restschuldbefreiung vorliegen. Aber die Berechnung der notwendigen Summe ist schwierig. Die Verfahrenskosten und die Vergütung des Insolvenzverwalters hängen von der Höhe der Insolvenzmasse ab. Wenn Sie nun Drittmittel in die Insolvenzmasse einzahlen, erhöhen sich wiederum diese Kosten ebenfalls. Zudem hängt die Insolvenzverwaltervergütung auch noch vom Verfahrensstadium ab – In der Wohlverhaltensphase ist sie geringer, als vorher.

      Mit freundlichen Grüßen

      Dr. V. Ghendler
      Rechtsanwalt, Fachanwalt für Insolvenzrecht

  2. Avatar
    says:

    Guten Tag,
    am 28.04.2017 bekam ich den Beschluss zum Insolvenzverfahren demnach sind die 36 Monate am 28.04.2020 rum, es ist anzunehmen das ich die 35% meiner Gesamtschulden zurück gezahlt habe da der Großteil dieser Summe schon abgezahlt ist.

    Frage : Gibt es eine Frist der Antragstellung beim zuständigen Gericht für eine Verkürzung des Insolvenzverfahren die eingehalten werden muss?

    • Andre Kraus
      says:

      Sehr geehrter Herr Maith,

      die Summe muss bis zum von Ihnen genannten Stichtag gezahlt sein. Beachten Sie, dass nicht nur die 35 % gezahlt sein müssen, sondern auch die bis dahin entstandenen Verfahrenskosten. Deren Höhe genau zu berechnen ist im Einzelfall schwierig.
      Der Antrag auf Verkürzung kann auch später noch gestellt werden. Idealerweise stellt man ihn bereits ca. 4-6 Wochen vor Ablauf der Frist, wenn es eindeutig ist, dass die Summe gezahlt sein wird.

      Mit freundlichen Grüßen

      A. Kraus
      Rechtsanwalt, Fachanwalt für Insolvenzrecht

  3. Avatar
    says:

    Guten Tag Herr Ghendler.

    Ab welchen Tag beginnen denn genau die 3 Jahre? Mit dem Datum des Beschlusses für die Privatinsolvenz vom Amtsgericht?

    Mit freundlichen Grüßen

    • Dr. V. Ghendler
      says:

      Sehr geehrter Fragesteller,

      ja genau, es gilt das Datum des Eröffnungsbeschlusses des Insolvenzgerichts. Dieser wird schriftlich zugestellt.

      Mit freundlichen Grüßen

      Dr. V. Ghendler
      Rechtsanwalt, Fachanwalt für Insolvenzrecht

  4. Avatar
    says:

    Hallo,
    ich habe eine vorzeitige Restschuldbefreing nach 3 Jahren erreicht.
    Die 3 Jahre waren am 22.04.2019, jedoch hat es bis zum September gedauert, das das Gericht mir die Endgültige RSB per post zukommen hat lassen.
    Der Schlusstermin war der 29.07.2019
    Meine frage: habe ich ein anrecht darauf, das mir das Geld was gepfändet wurde zwischen April und September zurückzuforfern vom Insolvenzverwalter??

    • Dr. V. Ghendler
      says:

      Sehr geehrter Fragesteller,

      da es die Verkürzung der Insolvenz noch nicht sehr lange gibt, ist dies ein häufiger Streitpunkt. Doch eigentlich ist die Lage eindeutig, Ihnen steht taggenau mit Ablauf der drei Jahre wieder Ihr volles Einkommen zu. Die seitdem gepfändeten Beträge muss der Insolvenzverwalter zurückerstatten. Dies ergibt sich meiner Ansicht nach aus § 300 Abs. 4 Satz 3 InsO in Verbindung mit § 300a InsO.

      Mit freundlichen Grüßen

      Dr. V. Ghendler
      Rechtsanwalt, Fachanwalt für Insolvenzrecht

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