Wie hoch kann eine Abfindung sein?

Die Höhe der Abfindung hängt entscheidend von dem Einzelfall ab. Als „Regelabfindung“ hat sich in der Praxis ein Betrag in Höhe von 0,5 Bruttomonatseinkommen je Beschäftigungsjahr festgesetzt.
Wir rechnen ein bisschen. Angenommen, ein Arbeitnehmer verdient monatlich 3.000 € brutto und war sechs Jahre im Betrieb beschäftigt. Dann wird seine Abfindung wie folgt berechnet: 3.000 € x 0,5 x 6 = 9.000 €. Die Anwendung dieses Richtwertes geht in vielen Abfindungsfällen in Ordnung, in Stein gemeißelt ist sie aber nicht.
Viele Faktoren können bei der Bestimmung des Wertes im Einzelfall eine Rolle spielen. Wollen Sie die höchstmögliche Abfindung heraushandeln, müssen Sie die Position Ihres Arbeitgebers verstehen.

Sollte man als Arbeitnehmer eine Abfindung akzeptieren?

Es kommt ganz darauf an, was man möchte. Wehrt man sich gegen eine bereits ausgesprochene Kündigung, wird die Angelegenheit durch das Arbeitsgericht entschieden. Der Klageweg ist für beide Parteien ein Wagnis. Wenn man unbedingt seinen Job behalten möchte, muss man es in aller Regel auf ein Urteil ankommen lassen. Wie dieses ausfällt, hängt davon ab, wie sicher die Kündigung ist.
Die allermeisten Verfahren (über 90 %) werden aber noch vor dem Urteil beendet. Und zwar mit einem sog. Vergleich, in dessen Rahmen auch eine Abfindung gezahlt wird. Denn auch für den Arbeitnehmer ist der Erhalt einer Abfindung häufig die vernünftigste Lösung. Verliert er nämlich den Prozess, geht er komplett leer aus. Auch entspricht es nicht immer seinem Wunsch, in den Betrieb zurückzukehren, dessen Chef ihn eigentlich loswerden wollte.

Muss der Arbeitgeber eine Abfindung zahlen?

Einen gesetzlichen Abfindungsanspruch gibt es nur in Ausnahmefällen. Dennoch werden bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses häufig Abfindungen gezahlt. Auf diese Weise kauft sich der Arbeitgeber im Grunde frei. Denn meistens reicht es nicht aus, den Arbeitnehmer einfach zu entlassen. Viele Arbeitnehmer wehren sich gegen die Kündigung und erheben Kündigungsschutzklagen. In der Folge kommt es zu langwierigen Prozessen vor den Arbeitsgerichten. Das Risiko, einen solchen Prozess zu verlieren, lässt sich für den Arbeitgeber meist nur schlecht kalkulieren. Der Arbeitnehmer ist durch zahlreiche Gesetze und eine in der Tendenz arbeitnehmerfreundliche Rechtsprechung umfassend geschützt. Nicht wenige Kündigungen stehen daher auf wackeligen Beinen.
Verliert der Arbeitgeber nach vielen Monaten den Rechtsstreit, darf der Arbeitnehmer wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Das betriebsinterne Ansehen des Chefs leidet, nicht selten entsteht der Eindruck von Durchsetzungsschwäche.
Außerdem muss der Arbeitgeber den erfolglos Gekündigten häufig auch noch für die Zeit bezahlen, in der er wegen der Kündigung nicht gearbeitet hatte. Da können schnell Lohnrückstände für mehrere Monate und sogar Jahre auflaufen. Es ist daher weitaus sicherer, dem Arbeitnehmer schon zu Beginn des Rechtsstreits einen bestimmten Betrag anzubieten und sich die arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung zu ersparen.
Es werden sich aber auch Arbeitgeber finden, die aus Prinzip keine Abfindung zahlen wollen und sich nicht vor einer Kündigungsschutzklage fürchten. Gerade bei Angelegenheiten mit persönlichem Einschlag (Beleidigungen, Tätlichkeiten) oder bei Vermögensdelikten des Arbeitnehmers, wird der Arbeitgeber für gewöhnlich nicht zur Zahlung einer Abfindung zu bewegen sein.

Was ist eine Abfindung?

Die Abfindung ist eine finanzielle Wiedergutmachung für den Verlust des Arbeitsplatzes. Meistens wird sie vom Arbeitgeber freiwillig gezahlt. Wie hoch sie ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab und ist häufig Verhandlungssache. Natürlich will der Arbeitnehmer möglichst viel bekommen, der Arbeitgeber möglichst wenig zahlen. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Arbeitgeber wirtschaftlich stärker und erfahrener ist. Jeder Arbeitnehmer sollte daher einen guten Überblick über seine Rechtsposition haben, wenn er das Optimum erreichen will.

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