1. Schuldenuhr und Staatsverschuldung
Besonders eindringlich visualisiert die in der Französische Straße 9-12 in Berlin-Mitte stehende Schuldenuhr vom Bund der Steuerzahler, wie sich die Staatsverschuldung sekündlich verändert. Seit 2020 steigen die öffentlichen Schulden wieder an, nachdem Deutschland in den Jahren 2015 bis 2019 jährlich seine Staatsschulden abgebaut hatte. Dabei drückt die Schuldenuhr nicht die tatsächliche Neuverschuldung oder Schuldentilgung in Echtzeit aus, sondern rechnet anhand der jährlichen Kreditaufnahme oder Kreditrückzahlung hoch, wie sich die Schuldensituation im Schnitt pro Sekunde ändert. Bis zu viermal pro Jahr wird die Schuldenuhr aufgrund von neu aufgenommenen oder zurückgezahlten Krediten aktualisiert.
Nicht nur die Gelder, die für die Schuldentilgung aufgewendet werden müssen, belasten den Bundeshaushalt, sondern auch die damit fälligen Zinsforderungen. Angesichts der Tatsache, dass damit jährlich Mrd. Beträge nur für die Zinsbelastung ausgegeben werden müssen, hat sich der Gesetzgeber durch Verankerung der Schuldenbremse im Grundgesetz zum nachhaltigen Schuldenabbau verpflichtet.
2. Schulden von Verbrauchern
Im Jahr 2019 waren ca. 6,9 Millionen Menschen in Deutschland überschuldet. Städtische Regionen Deutschlands sind besonders betroffen. Dazu zählen insbesondere weite Teile von Nordrhein-Westfalen, insbesondere dem Ruhrgebiet, Sachsen-Anhalt und Berlin. Im Süden Deutschlands ist die Lage flächendeckend entspannt. Frauen sind von Überschuldung weniger stark betroffen als Männer, da sie eher den “Schuldenstress” meiden wollen. Außerdem steht der Osten Deutschlands in der Gesamtschau besser da als der Westen. Zudem ist seit Jahren eine zunehmende Altersüberschuldung bei der Bevölkerungsgruppe 50plus zu beobachten. Die harte Überschuldung nimmt bei den Verbrauchern ab, die weiche Verschuldung zu.
a) Harte und weiche Überschuldung
Bei der Analyse der Schuldensituation der deutschen Verbraucher werden unter harter Verschuldung jene Fälle aufgefasst, in denen die Verschuldung besonders hoch ist und in der Regel bereits negative Einträge bei Auskunfteien (z.B. Schufa, Boniversum usw.) oder im öffentlichen Schuldnerverzeichnis vermerkt sind. Diese negativen Einträge haben juristische Relevanz.
In der Regel haben diese Verbraucher über einen längeren Zeitraum finanzielle Schwierigkeiten und die Höhe der aufgehäuften Schulden ist beträchtlich. Nach derzeitigen Analysen dürften etwa mehr als vier Millionen Verbraucher von einer harten Überschuldung betroffen sein.
Mit weicher Überschuldung sind alle Fälle gemeint, in denen noch kein nachhaltiger negativer Eintrag erfolgte und in der Regel wurden Verbraucher zur Zahlung bereits mehrfach gemahnt. Verbindlichkeiten werden zunehmend aufgenommen, ohne die alten zu bedienen. Die Schuldensituation ist zwar ernst, aber durch vernünftige Konsolidierung lösbar ist. Meist erfolgt der Einstieg in die weiche Überschuldung durch die Begründung von Konsumschulden. Ein Umzug oder der Kauf einer Waschmaschine sind für junge Menschen (18 bis 39 Jahren) oftmals nur durch die Aufnahme eines Verbraucherkredits oder mithilfe eines Ratenkaufs finanziell zu stemmen. Von dieser Art der Verschuldung sind etwa 2,9 Millionen Menschen betroffen.
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